ORANIENBURG - Sollte sich der neue Bombenverdacht am Bahnhof Oranienburg Oberhavel) bestätigen, dann droht der Stadt am kommenden Freitag eine der bisher größten Evakuierungsaktionen. Da bei der jüngsten Sprengung eines Bombenrests unweit der jetzigen Anomalie ein besonders explosives Sprengstoffgemisch festgestellt wurde, hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst dieses Mal einen Sperrkreis mit einem Radius von 1200 Metern empfohlen, erklärte gestern Björn Lüttmann, Referent des Bürgermeisters.
Die neue Anomalie hat die Bergungsfirma an der Ladestraße zwischen den Bahngleisen und Plastimat geortet. Die Spundwände für die Freilegung sind bereits gesetzt. Am Mittwoch, 26. September, soll sich herausstellen, um was für einen metallischen Gegenstand es sich handelt. Über den Zünder bestünde dann am Donnerstag Klarheit, und am kommenden Freitag, 28. September, könnte die Bombe entschärft oder gesprengt werden.
Innerhalb des außergewöhnlich großen Sperrkreises befinden sich dieses Mal auch die Kreis- und die Stadtverwaltung, die Polizei, das Amtsgericht, eine ganze Reihe von Betrieben, Schulen und Kitas, die Turm-Erlebniscity und sogar ein Teil von Lehnitz.
Wegen der prekären Situation haben Stadt und Tourismusverein gestern den seit Monaten vorbereiteten und für den 28. und 29. September geplanten Regionalmarkt am Schloss abgesagt. Über das Eintreten dieser „höheren Gewalt“ seien die Organisatoren sehr traurig, erklärten gestern unisono Andreas Steffen und Jürgen Höhn, die Chefs von Tourismusverein und Tourismus und Kultur Oranienburg GmbH. „Wir hoffen sehr, dass die Händler sowie die Künstler, die diesen Markt zu einen tollen Ereignis gemacht hätten, Verständnis für die nicht vorherzusehende Situation haben“, so Pressesprecher Lüttmann. Die eindeutige Aussage der Kampfmittelexperten war, dass ein Aufschub der Bombenneutralisierung nicht vertretbar ist. Kurzfristig ließ sich auch der Termin des Regionalmarktes nicht verschieben.
Die Deutsche Bahn AG lässt während der bis Ende April 2013 andauernden Sperrung der Fern- und Regionalbahnstrecke die Gleis- und Nebenanlagen in Oranienburg nach Blindgängern absuchen. Die Kampfmittelexperten haben dort 19 Verdachtspunkte in unterschiedlichen Wahrscheinlichkeitskategorien ausgemacht. „Die systematische Suche im Stadtgebiet hat zur Folge, dass wir immer öfter fündig werden“, sagte Björn Lüttmann. Wenn das Oranienburger Bahnhofsgelände in absehbarer Zeit kampfmittelfrei ist, werde dies ein wichtiger Meilenstein sein. (Von Heiko Hohenhaus)