POTSDAM - Die Evangelische und Katholische Kirche fordern mehr Anerkennung für Zuwanderer in Deutschland. Der evangelische Bischof Markus Dröge und der katholische Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki haben gestern bei der Eröffnung der Interkulturellen Woche in Potsdam zu mehr Wertschätzung von Ausländern aufgerufen.
„Wir brauchen eine Willkommenskultur“, sagte Dröge bei dem bundesweiten Auftaktgottesdienst in der Propsteikirche St. Peter und Paul in Potsdam. Woelki sagte, dass Zuwanderer als Menschen respektiert werden müssen und nicht nur deswegen, weil Zuzug „gut ist für die Renten oder gegen den Fachkräftemangel“.
Der Berliner Bischof Markus Dröge sagte in seiner Predigt, dass es in Deutschland längst noch keine breite Willkommenskultur gebe. „Die rassistische Gefahr wird oft kleingeredet“, sagte der Kirchenmann mit Blick auf die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Die Aufklärung der NSU-Verbrechen geschehe nur „quälend langsam“.
„Religionen leisten einen Beitrag für ein friedliches Zusammenleben“, sagte Dröge. Aber der Glaube werde auch oft dazu missbraucht, Hass zu säen. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen um das „beschämende“ islamkritische Video würden das beweisen. Gerade deswegen müssten sich alle Religionen gemeinsam um friedliches Zusammenleben bemühen.
Woelki und Dröge kritisierten in ihren Reden den Umgang mit Flüchtlingen. Das Abschiebegefängnis am neuen Berliner Flughafen sei menschenunwürdig. Flüchtlinge verdienen eine würdige Behandlung. „Es fällt jedem schwer, seine Heimat zu verlassen“, sagt Kardinal Woelki. Für den 3. Oktober haben die Organisatoren der Interkulturellen Woche zu einer Mahnwache vor dem Gefängnis in Schönefeld aufgerufen.
Die interkulturelle Woche wird seit 1975 gefeiert und von einem Bündnis aus Kirchen, Kommunen und Verbänden organisiert. Dieses Jahr lautet das Motto „Herzlich willkommen – wer immer du bist“. Die Auftaktveranstaltung ist immer in einer anderen Stadt. Bis 29. September gibt es in mehr als 450 Städten 4500 Veranstaltungen. (Von Christian Meyer)