05.10.2012/ 17:52

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Breite Unterstützung für Flüchtlinge

Marsch für Menschenrechte durch Potsdam gezogen

Potsdam - Die Demonstranten riefen Parolen und trommeln. "Bleiberecht überall"  und "No Nozis" stand auf ihren Plakaten. Rund 300 Menschen begleiteten die Flüchtlinge auf dem heutigen Protestzug durch Potsdam. Gegen 11.30 Uhr setzte sich der "Refugee Protest March" der Asylbewerber aus Würzburg (Bayern) nach Berlin in Bewegung.

Im Mittelpunkt ihres Anliegens steht die Abschaffung der Residenzpflicht, welche für die Asylsuchenden im Alltag mitunter große Erschwernisse mit sich bringt. Außerdem fordern die Teilnehmer die Abschaffung der zwangsweisen Unterbringung von Flüchtlingen in Lagern und der Zuteilung von Nahrungsmittelpaketen und Wertgutscheinen.

Salomon Wantchoucou aus Benin zog 2001 nach Deutschland. Obwohl er inzwischen eine eigene Wohnung hat, kämpft er für die Rechte anderer Ausländer. "Ich weiß, wie es ist, keine eigene Wohnung zu haben und habe viel gelitten in der Situation." Das Recht auf ein eigenes Zuhause sollte seines Erachtens jeder haben. So könne es nicht weiter gehen, meint er. "Viele von uns Asylanten sind gut integriert."


Zu den Demonstranten gehören auch viele Brandenburger, die ihrem Ärger Luft machen wollen. Der Staat geht zu repressiv gegen Ausländer vor", findet Eberhard Podzuweit aus Jüterbog. "Jeder sollte sich in Deutschland frei bewegen dürfen und das Recht haben zu arbeiten."

Der Kreisvorsitzende der Linken in Barnim, Sebastian Walter, dass die Verhältnisse verschoben seien. "Polizeihunde haben einen Anspruch auf neun Quadratmeter, Asylbewerber nur auf sechs", sagt es. "Es wird Zeit, dass Potsdam ein Zeichen setzt."

"Wir finden es gut, dass ihr uns durch diese Veranstaltung eine politische Plattform gegeben habt", sagte einer der acht Gegendemonstranten. Durch die lauten Protestrufe der Flüchtlinge und Demonstranten konnte man die Lautsprecherdurchsagen der NPD kaum verstehen.

Die Residenzpflicht in Berlin und Brandenburg wurde bereits vor zwei Jahren gelockert. Flüchtlinge erhielten eine Dauererlaubnis für den Aufenthalt im jeweils anderen Bundesland. In anderen Bundesländern gilt die strenge Einhaltung einer Residenzpflicht jedoch weiterhin. "Diese sinnlose Regelung in Deutschland muss abgeschafft werden", so die Potsdamer Integrationsbeauftragte, Magdolna Grasnick.

Die Demonstranten zogen vom Freilandgelände in der Friedrich-Engels-Straße zunächst zum Rathaus. Dort kamen sie gegen 12:20 Uhr an. Später zog der Zug weiter in Richtung Glienicker Brücke. Dort passierte der Demonstrationszug auch eine Handvoll NPD-Anhänger, die dort demonstrierten. Aus den Reihen des Protestzuges wurden vier Flaschen auf die Rechtsextremen geworfen, welche diese jedoch verfehlten. Zu weiteren Zwischenfällen kam es aber nicht, wie die Polizei vor Ort mitteilte.

Polizeisprecherin Ingrid Schwarz sagte gegenüber MAZonline, dass es ein sehr "friedlicher Demonstrationsverlauf" gewesen sei. "Unser Konzept scheint aufzugehen, dass wir nicht überrepräsentiert sind", sagte sie. Die Beamten hätten den Zug zwar begleitet, sich aber im Hintergrund gehalten. Die Potsdamer Polizei war mit etwa 120 Beamten vertreten.

Rund 20 Flüchtlinge waren Anfang September losmarschiert, doch unterwegs stießen immer wieder Unterstützer hinzu. Nach 28 Tagen und fast 600 Kilometern Fußweg sollte heute Nachmittag das Ziel Berlin erreicht werden. Im Rahmen des Marsches hatten teilnehmende Flüchtlinge dem Landtagspräsidenten Gunter Fritsch heute bereits ein Memorandum übergeben, in dem sie ihre Forderungen an Brandenburger Landespolitiker formulieren. Landtagspräsident Fritsch hat das Memorandum dem Petitionsausschuss übergeben, teilte die Pressestelle des Landtags heute mit. red/ dpa

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