BRIELOW - In Russland öffnen sich die Archive, werden Unterlagen digitalisiert, erforschen Vereine und Privatpersonen Kriegsschicksale. Das hat ungeplante Auswirkungen auf die Neugestaltung des sowjetischen Ehrenfriedhofs am südlichen Ortseingang von Brielow. Landschaftsarchitekt Gunnar Lange aus Bad Belzig verkündete gestern eine kleine Sensation: Im Zuge der Rekonstruktion des 1947 eingeweihten Gräberfeldes müssen 134 zusätzliche Namen aufgenommen werden.
Die Namen gehören zu den insgesamt 149 unbekannten Rotarmisten, die nach Kriegsende in Brielow bestattet wurden. Darüber hinaus konnten zwölf Zivilisten namentlich zugeordnet werden – vermutlich Fremdarbeiter aus den umliegenden Dörfern. „Diese Entdeckung erfordert ein Umdenken bei der Neugestaltung“, sagte Lange der MAZ auf Nachfrage. Deshalb hat sich der eigentlich für den Sommer geplante Beginn der Arbeiten verzögert.
Ob die schon im März abgeräumten und eingelagerten 184 Grabsteine aus Waschbeton noch einmal wiederverwendet werden, ist nach Lokalterminen mit Vertretern der russischen Botschaft eher unwahrscheinlich. „Derzeit sieht es danach aus, dass Einfassungen und Grabsteine nicht überarbeitet, sondern erneuert werden. Jeder neue Stein erhält eine Tafel, auf der die Namen der Toten zu lesen sind, die in dem Grab bestattet sind“, erklärte Landschaftsarchitekt Lange. Die ursprüngliche Gestaltung der Grabreihen wird bei der Neugestaltung wieder aufgenommen – allerdings mit dem Ziel, den Pflegeaufwand für die Gemeinde zu verringern. Unverändert bleiben Zaunanlage und Obelisk. Alle Schritte werden mit der Denkmalpflege abgestimmt.
Auch für andere sowjetische Friedhöfe ist eine Aktualisierung der Belegungslisten wahrscheinlich. „Wir arbeiten verstärkt an der Aufklärung von Soldatenschicksalen in der ganzen Bundesrepublik “, bestätigte Botschaftssekretär Wladimir V. Kukin von der Botschaft der russischen Förderation der MAZ. Zusätzliche Namen von sowjetischen Kriegstoten sollen in der Regel auf separaten Stelen verewigt werden. „Wir betrachten diese Verewigung als Wiederherstellung der menschlichen Würde der Toten und schrittweisen Überwindung der Anonymität der sowjetischen Grabanlagen“, so Kukin.
In Brielow fanden insgesamt 391 Sowjetsoldaten ihre letzte Ruhe. Sie kamen in den letzten Kriegstagen bei den Kämpfen um Brandenburg ums Leben oder erlagen in Lazaretten ihren Verletzungen. Dazu kamen 23 Zivilisten mit sowjetischer Staatsbürgerschaft, darunter auch Kinder. (Von Frank Bürstenbinder)
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