POTSDAM - Die Piraten beziehungsweise der ihnen nahestehende Verein Musikpiraten e.V. hat Liederbücher in Potsdam verteilt, deren Werke „gemeinfrei“ sind, also nicht mehr mit Autorenrechten bewehrt sind. Wie der Verein mitteilte, habe er insgesamt 117 Kindertagesstätten und Horte mit kostenlosen Büchern versorgt, aus denen bedenkenlos gesungen und kopiert werden dürfe.
„Wir freuen uns, dass wir an die Kindertagesstätte ’Baumschule’ in der Geschwister-Scholl-Straße die letzten Liederbücher im Stadtgebiet verteilen konnten und nun jede Kindertagesstätte mit mindestens einem Exemplar versorgt wurde“, sagte Torben Reichert, Vorsitzender des Piraten-Stadtverbands Potsdam. Sein Stellvertreter Christoph Brückmann, Organisator der Aktion im Land, ergänzte: „Sollte noch weiteres Interesse am Liederbuch bestehen, kann dieses unkompliziert auf der Seite der Musikpiraten heruntergeladen werden.“
Hintergrund der Aktion ist ein Brief der Musikkontrollbehörde Gema im Auftrag der „VG Musikedition“ an alle Kindertagesstätten (MAZ berichtete). In diesem Schreiben machte die Gema darauf aufmerksam, dass das Anfertigen von Kopien von Notenblättern einer Genehmigung der Rechteinhaber bedarf.
Für die Einrichtungen entstehen dabei Kosten und ein hoher Verwaltungsaufwand, da jede einzelne Kopie an die Gema gemeldet werden muss. Dies ist allerdings nur notwendig, wenn die Kopien von Noten angefertigt werden, die noch urheberrechtlich geschützt sind – in Deutschland erlischt dieser Schutz 70 Jahre nach dem Tod der Urheber.
Der Musikpiraten e.V. initiierte deshalb eine Aktion, mit der allen Kindertagesstätten ein Liederbuch mit gemeinfreien Kinderliedern zur Verfügung gestellt wird. „Damit sich die Erzieher nicht aufwendig um die Recherche kümmern müssen, ob nun ein Lied gemeinfrei ist oder nicht, haben wir ein Liederbuch mit ausschließlich gebührenfreien Kinderliedern erstellt“, so Christian Hufgard, Vorsitzender des Vereins. „Unser Ziel ist es, allen 50 299 Kinderbetreuungseinrichtungen in Deutschland mindestens ein Liederbuch zukommen zu lassen – und zwar kostenlos.“ Laut Piraten-Verein ist mit den neuen Büchern kein Ärger seitens der Gema zu befürchten. (sti)