ZOSSEN - Nach den jüngsten Meldungen über offensichtlich rechtsextremistisch motivierte Straftaten – von Zossen bis Waßmannsdorf – drängt sich die Frage auf: Ist der Rechtsextremismus in der Region auf dem Vormarsch? Laut Polizei-Statistik nicht.
„Nazi-Fahnen als Gardinen“ in Ludwigsfelde, „Hakenkreuze gesprüht“ in Rangsdorf und Mahlow, „Unbekannte malten Hakenkreuze“ in Blankenfelde, „Hakenkreuze im Stadtpark geschmiert“ in Zossen. So lauten einige der Schlagzeilen der vergangenen Monate aus dem Polizeibericht der MAZ, die eindeutig auf politisch rechtsextremistisch motivierte Straftaten schließen lassen. Und auch der jüngste Anschlag auf das Haus von Jörg Wanke, Sprecher der BI „Zossen zeigt Gesicht“, in Dabendorf sowie beschmierte Stolpersteine in der Zossener Innenstadt deuten auf eine Zunahme dieser Delikte hin.
Zumindest für das erste Halbjahr dieses Jahres kann die Polizei diese allgemeine Wahrnehmung allerdings nicht bestätigen. Laut aktueller Statistik ist im Bereich der Polizeiinspektion Teltow-Fläming die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Straftaten in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 von 32 auf 25 gesunken. Nahezu jede zweite Straftat wurde bislang aufgeklärt. „Von den 25 registrierten Fällen sind 19 Propagandadelikte“, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion West. Dazu gehört auch das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, was mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden kann. Neben einer ausländerfeindlichen Schmiererei an einem Döner-Imbiss in Blankenfelde wurde im ersten Halbjahr auch eine Körperverletzung registriert, die auf das Konto eines rechtsgerichteten Täters geht. Zu den „sonstigen“ politisch rechts motivierten Straftaten zählen laut Polizei Sachbeschädigungen, Beleidigungen und Bedrohungen.
Im vergangenen Jahr wurden laut Statistik im Bereich der Polizeiinspektion Teltow-Fläming insgesamt 69 politisch rechts motivierte Straftaten gezählt. Davon waren 41sogenannte Propagandadelikte. 69 Fälle wurden auch 2010 gezählt, davon 44 Propagandadelikte, so die Statistik. Die Aufklärungsquote lag nach Angaben der Polizei im Vorjahr bei 32 Prozent. (Von Fred Hasselmann)