PERLEBERG - „Ich finde die Aktion der beiden Damen sehr mutig“, berichtet Bianca Kycler. Zusammen mit ihren beiden Kindern steht sie vor dem Imbisswagen auf dem Großen Markt in Perleberg und betrachtet mit einem Schmunzeln auf den Lippen Ilse und Margareta.
Ilse und Margareta heißen in Wirklichkeit Chady Seubert und Daniela Dörfel und sind Schauspielerinnen. Ihr Anliegen ist die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Bereits am Montag und Dienstag waren sie als rosa Orakel verkleidet in der Pritzwalk und der Perleberger Innenstadt unterwegs und haben für einige Verwirrung gesorgt (die MAZ berichtete). Gestern hatten sie sich als alte Damen verkleidet, um den Perleberger Marktbesuchern in Sachen Gleichberechtigung auf den Zahn zu fühlen.
Dabei trieben die beiden das Klischee von zwei alten Damen auf die Spitze. So spielte Chady Seubert eine kecke Rentnerin mit großem Mundwerk und Daniela Dörfel die etwas zurückhaltende Witwe, die in jedem zweiten Satz ihren dahingeschiedenen Ehemann Kurt „Gott hab ihn seelig“ erwähnte, den Blick dabei stets gen Himmel gerichtet.
Vielen Perlebergern schienen die beiden Frauen äußerst suspekt, und sie beobachteten das Treiben lieber aus sicherer Distanz und mit leicht irritiertem Blick.
Hin und wieder ließen sich dann doch ein paar Perleberger in ein Gespräch verwickeln. Einer etwa fand, dass es ja eine größere Sauerei sei, dass man unzählige Millionen nach Griechenland überweise und so „die faulen Griechen“ unterstütze.
Den beiden Schauspielerinnen geht es aber nicht nur um die Gleichberechtigung der Frauen: „Wenn wir gleichberechtigt leben wollen, sollten wir dann nicht Gleichberechtigung für alle Menschen auf der Welt fordern?“ merkt Margareta an.
Aber nicht jeder Marktbesucher reagierte verschreckt auf die Protestaktion. „Bei mir bekommen sie 25 Prozent Rabat für ihre 25 Prozent weniger Lohn“, bot etwa der Obsthändler Meinhard Jüstel an.
Ihr Ende fand die Aktion im Rathaus, wo die beiden sich mit der Beauftragten für die Gleichstellung der Stadt Perleberg treffen wollten. Zu dem Treffen kam es leider nicht, da die beiden Damen irrtümlich davon ausgegangen waren, dass diese im Rathaus sitzt, obwohl sie ihr Büro in der Karl-Liebknecht Straße hat. Auch der stellvertretende Bürgermeister Hans Rothbauer war nicht im Haus: „Schade, ich hätte ihm gerne einen meiner 25-Prozent-Äpfel als Präsent übergeben und ihn gefragt, was er von Gleichberechtigung hält“, merkte Chady Seubert an.
Informationen und eine Diskussion zum Thema sind im MAZ-Lokalblog http://mein-perleberg.de zu finden (Von Stefan Reisener)