ORANIENBURG - Noch immer riecht es in der Baracke 38 nach verbranntem Holz. Spuren des Anschlags wurden bewusst erhalten. Die Bilder von rechtsextremen Anschlägen flimmern über einen Bildschirm. „Allein 1992 waren mehr als 1000 Heime Ziel fremdenfeindlicher Anschläge“, heißt es in der Dokumentation.
Die Anschläge nehmen wieder zu. Julius H. Schoeps, Direktor des Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrums, das die zweitägige Konferenz zusammen mit der Gedenkstättenstiftung veranstaltet, erinnert an den Anschlag auf ein Asylbewerberheim in Waßmannsdorf bei Berlin am Dienstag. Allein in den vergangenen zwei Wochen hätten sich rechtsextreme Vorfälle gehäuft. „Sie beweisen, dass diese Konferenz wichtig ist“, sagte Schoeps.
144 Teilnehmer sprechen an zwei Tagen mit Rückblicken, einer Bestandsaufnahme und möglichen Perspektiven über Rechtsextremismus in Brandenburg.
Dass auch in Oberhavel die Vorfälle zunehmen, sagt Gabriele Schlamann vom Mobilen Beratungsteam. Es gebe mehr Provokationen. „Die freien Kräfte sind aktiver geworden“, sagte Schlamann. Viele Taten blieben aber unterhalb der strafbaren Grenze, nicht alle Taten würden von der Polizeistatistik erfasst. Zielscheibe von Provokationen und Drohungen seien alternative Jugendliche und Sprecher von Initiativen, die auf Internetseiten der Rechtsextremen genannt würden. „Das ist der Versuch einer Einschüchterung“, sagt Schlamann. Es gebe aber auch mehr junge Menschen, die dem etwas entgegensetzen wollten.
Rechtsextreme Vorfälle gibt es auch in der Gedenstätte, sagte Direktor Günter Morsch. Besucher zeigen den Hitlergruß oder schmieren Hakenkreuze auf Toiletten und in Gästebücher. „Keine KZ-Gedenkstätte hat stärker gegen rechtsextreme Anschläge anzukämpfen als Sachsenhausen“, so Morsch. Propaganda aus dieser Richtung finde heute vor allem im Internet statt. „Die Gedenkstätten sind aufgerufen, sich dieser Herausforderung zu stellen“, forderte Morsch. (Von Klaus D. Grote)