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22.10.2012

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„Dieser Film hätte auch in Zossen spielen können“

Kinovorstellung „Kriegerin“ mit Podiumsdiskussion trotz Störversuch von Neonazis


ZOSSEN - Plakativ und schockierend erzählt der Film „Kriegerin“ von David Wnendt die Geschichte einer jungen Rechtsradikalen, eine Geschichte um Schuld und Ehre, um Neonazis, Durchschnittsbürger und Asylbewerber – ein Thema, das angesichts der jüngsten Angriffe in der Region eine ungewollte Aktualität hat. Zur Diskussion luden nach einer Gratis-Vorstellung des Films im Zossener E-Werk Jörg Wanke von der Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“, Stella Hindemith von der Antonio Amadeu Stiftung und die Landtagsabgeordnete Marie Luise von Halem von Bündnis 90/Die Grünen.

Auf die eine Seite ihrer Schulter möchte sie sich das Soldatenfoto ihres Großvaters tätowieren lassen, auf die andere Adolf Hitler. Marisa trägt keine Glatze, doch ihre Haare sind kurzgeschoren. In seinem Film „Kriegerin“ wählte Regisseur David Wnendt einen weiblichen Neonazi als Hauptfigur, schickt sie pöbelnd und prügelnd durch den Zug und lässt sie in blinder Wut mit dem Auto zwei junge Afghanen auf dem Moped anfahren. „Kriegerin“ taucht tief in die rechte Szene ein, so tief, dass es weh tut, und zeigt dem Publikum das, wovor es am liebsten die Augen verschließen würde: Nationalsozialistisches Gedankengut und Fremdenhass sind alles andere als ausgestorben.

Auch nicht in Zossen. „Hier ist die braune Suppe ganz schön am köcheln“, meinte eine Besucherin am Rande der Filmvorführung. „Der Film spielt zwar woanders, doch hier hätte man wohl auch prima drehen können“. Sie verwies damit auf den erst vor wenigen Tagen von Neonazis verübten Anschlag auf das Privathaus von Jörg Wanke von der Initiative „Zossen zeigt Gesicht“, die Hakenkreuz-Schmierereien im Stadtpark und die Verunzierung der sogenannten Stolpersteine, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

„Nach dem Brandanschlag auf das Haus der Demokratie im Jahr 2010 hörte man erstmal nicht mehr viel aus der rechten Szene“, erzählte Wanke. „Wir dachten, jetzt kehrt endlich Ruhe ein, doch da haben wir uns bitter getäuscht“. Daher war er nicht davon überrascht, als zwei in der Region bekannte Neonazis versuchten, die Veranstaltung im E-Werk zu stören. Die bereits vorsorglich als Wachposten installierten Polizisten verwiesen die beiden umgehend vom Gelände – und wachten so lange vor dem Eingang, bis die Veranstaltung vorüber war.

Was kann man tun, um hier in der Region gegen rechtradikales Potenzial vorzugehen? Diese Frage stand im Anschluss an den Film zur Debatte. „Mehr Zivilcourage ist wichtig“, meinte eine Zossenerin, „Gesicht zeigen eben“. Auch die Frage, ob man Neonazis durch Polizeigewalt von einer Veranstaltung ausschließen solle, tauchte auf.

Einen praktischen Ansatz brachte Holger Krause, Erzieher und Vereinsvorsitzender vom Zossener Kulturkraftwerk, mit ins Podium ein. In seinem in der Region innovativen Projekt Jam Car (die MAZ berichtete) lässt er vom Kurs abgekommene Jugendliche an Unfallautos schrauben und anschließend Rennen fahren. (Von Andrea Beck)


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