POTSDAM - Die Brandenburger und Bewohner anderer ostdeutscher Länder stufen ihre Lebenssituation negativer ein als die Menschen im Westen. Das geht zumindest aus dem Sozialreport 2012 hervor, den die Volkssolidarität gestern in Berlin vorgelegt hat.
Danach ist etwa die Hälfte der Ostdeutschen alles in allem „zufrieden“ mit ihrem Leben. Elf Prozent der Befragten gaben an, „unzufrieden“ oder „sehr unzufrieden“ zu sein. Eine zum Vergleich in Niedersachsen durchgeführte Untersuchung ergab 58 Prozent Zufriedene. Nur neun Prozent gaben hier ihrer Unzufriedenheit Ausdruck.
Im Rahmen des jährlich vom Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg für die Volkssolidarität erstellten Berichts wurden 2012 rund 1600 Menschen in Ostdeutschland befragt.
Vor allem Sorgen um die Zukunft treiben demnach die Menschen im Osten um. „Besonders die Angst vor Altersarmut ist deutlich ausgeprägt“, sagte der Präsident der Volkssolidarität Gunnar Winkler. Dies sieht auch der amtierende Vorsitzende des Sozialverbandes in Brandenburg, Bernd Niederland, ähnlich. Speziell die Lage älterer Menschen in den ländlichen Regionen der Mark „spitzt sich zu“, so Niederland. Ängste vor sozialer Unsicherheit, gepaart mit mangelnder Infrastruktur im Gesundheits- und Pflegebereich, bedrückten die Menschen. Niederland: „Viele Dinge scheinen immer unerschwinglicher.“
Die durchgängig schlechtere Stimmung auf dem Lande führe weiter zu „einem starken Wegzug“ aus dem Osten nach Westdeutschland oder ins Ausland, so Winkler.
„Wir müssen uns kümmern um Menschen in Armut, Menschen ohne Arbeit und helfen, Altersarmut zu vermeiden“, stellte der brandenburgische Sozialminister Günter Baaske (SPD) angesichts der Umfrage fest. Zugleich warf er der Volkssolidarität Übertreibung vor. „So schadet sie dem berechtigten Anliegen, sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen“, so Baaske. (gd)