Wenn vom Kampf gegen den Rechtsextremismus die Rede ist, dann ist immer die Zivilgesellschaft gefordert. Der Begriff klingt gut, aber angesprochen fühlen muss sich davon niemand. Es ist eben einfacher wegzuschauen, als mutig zu sein, wenn irgendwo ein Hakenkreuz an eine Wand gesprüht oder ein Aufkleber mit rechtsextremen Parolen angebracht wurde. Der Kampf gegen Rechtsextremismus ist kein abstrakter, sondern ein alltäglicher. Denn nicht nur Glatzen in Springerstiefeln sind eine Bedrohung. Fremdenfeindlichkeit macht sich breit, wenn dunkelhäutige Menschen abschätzig behandelt werden, wenn Asylbewerbern nicht das gleiche Existenzminimum wie Arbeitslosen zugestanden wird oder wenn Flüchtlinge pauschal als arbeitsscheu oder kriminell bezeichnet werden. Die nötige Sensibilität dafür fehlt in manchen Behörden. Das wird spätestens dann deutlich, wenn Polizisten mit dem Begriff „NSU“ nichts anfangen können oder Ordnungsamtskräfte Aufkleber mit Huldigungen an NS-Kriegsverbrecher Rudolf Heß aus Unkenntnis nicht beseitigen. Vielleicht fehlt auch in einigen Rathäusern Oberhavels die Einsicht. Am Bericht der Verfassungsschutzchefin waren nur wenige Kommunen interessiert, dabei gilt zum Beispiel Gransee auch als Hochburg der NPD.