Potsdam-Mittelmark - Afghanistan, der Iran und mehrere afrikanische Staaten sind schon lange Krisenregionen. Inzwischen ist Syrien dazu gekommen. Das bedeutet, dass die Zahl der Menschen gestiegen ist, die in Deutschland Asyl suchen. Vor diesem Hintergrund hat sich der Landkreis Potsdam-Mittelmark gestern an die Öffentlichkeit gewandt. Er sucht, wie es in dem Aufruf des Fachdienstes Soziales und Wohnen heißt, „Partner und Gastgeber“ für 120 neue politische Flüchtlinge, die bis Dezember im Landkreis erwartet werden. Es müssen sowohl Familien als auch Einzelpersonen untergebracht werden.
Wie in der Vergangenheit bereits erfolgreich praktiziert, setzt der Landkreis weniger auf Massenunterkünfte sondern auf eine Einzelunterbringung in Wohnungen mit einem entsprechenden gesellschaftlichen Umfeld. Der Fachdienst bittet die Kommunen, die Wohnungsgesellschaften und insbesondere auch Privatpersonen und Privatvermieter um Hilfe bei der Suche nach geeignetem Wohnraum. Die Vermieter haben Anspruch auf die ortsübliche Miete.
In dem Aufruf wird die Stadt Bad Belzig als positives Beispiel bei der Unterbringung und Betreuung von Asylbewerbern genannt. Fachdienstleiterin Gertrud Meißner sagte, die Kreisstadt habe seit Anfang der 1990er Jahre durch Asylbewerber eine Bereicherung des kulturellen Lebens erfahren. „Das Fest der Kulturen, aber auch Projekte an Schulen und Einrichtungen haben dazu beigetragen, die Menschen vor Ort einzubinden, Akzeptanz und Toleranz zu fördern und unserer Verantwortung als guter Gastgeber nachzukommen“, sagte Meißner.
In Bad Belzig wird schon seit Jahren versucht, Massenunterkünfte für Asylbewerber zu vermeiden und dafür – wenigstens für Familien – Einzelwohnungen zur Verfügung zu stellen, und zwar möglichst gleich, nachdem die Flüchtlinge aus dem zentralen Asylwohnheim des Landes in Eisenhüttenstadt angekommen sind. Die Wohnungsgesellschaft Bewog zeigt sich dafür offen. Gegenwärtig leben etwa 30 Personen in Einzelwohnungen. Die große Mehrheit ist im Asylbewerberheim untergebracht, das 135 Plätze bietet und ausgelastet ist.
Nach den Erfahrungen von Betreuern hat es sich erwiesen, dass Asylbewerber, die in Wohnungen leben, sehr viel mehr Selbstständigkeit entwickeln, beispielsweise im Umgang mit Behörden und Hausmeistern. Im Asylbewerberheim der Kreisstadt bemühen sich deshalb Sozialarbeiter, die Selbstständigkeit zu fördern. Sie haben beobachtet, dass Menschen, die jahrelang in einem Heim gelebt haben, große Unsicherheit haben, sich außerhalb zurechtzufinden. Viele scheuen sich deshalb sogar, das Heim zu verlassen.
In Bad Belzig kommen die Asylanten auch in den Genuss von Deutschkursen. Normalerweise gehören diese Kurse – die häufig von Volkshochschulen angeboten werden – erst zum Programm, wenn die Bewerber einen Aufenthaltstitel haben. Da die Aufnahmekapazität Bad Belzigs erschöpft ist, wird nun im gesamten Kreisgebiet nach Wohnraum gesucht, insbesondere in den größeren Orten, wie Meißner sagte.
Auch in Seddiner See sind die Möglichkeiten ausgeschöpft. Bürgermeister Axel Zinke (parteilos) sagte, dass im kommunalen Wohnungsbestand ein Vermietungsgrad von 99 Prozent bestehe. Im Hauptort Neuseddin wohnen seit einigen Monaten mehrere Familien aus Syrien in Wohnungen.
Von den Wirtschaftsflüchtlingen aus Serbien und Montenegro – Staaten, die als sichere Herkunftsländer gelten – ist Potsdam-Mittelmark nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen. Die Flüchtlinge von dort würden wohl eher Großstädte aufsuchen, hieß es im Landkreisamt. Im Ausländerheim in Eisenhüttenstadt sind die Flüchtlinge vom Balkan aber schon in großer Zahl vertreten. Von den 550 Plätzen im Heim sind 549 belegt. Wie in Bad Belzig sind auch in Eisenhüttenstadt die Auswirkungen des Bürgerkriegs in Syrien sichtbar. Von Januar bis September hätten 133 Syrer einen Asylantrag gestellt, im gesamten Jahr 2011 seien es 100 gewesen, sagte Norbert Wendorf, Sachgebietsleiter in der Zentralen Ausländerbehörde. (Von Stephan Laude, Heinz Helwig und Kerstin Henseke)
Ein voller Erfolg war der Nuthetaler Handwerkertag am 20. April rund um den Marktplatz „Zum Springbruch“ in Bergholz-Rehbrücke. Das rege Zusammenwirken der Geschäfte, Handwerksbetriebe und all der Helfer rund um die Organisation und das Rahmenprogramm ermöglichte einen bunten Einblick in die Vielfalt des gemeindlichen Lebens.
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