BRANDENBURG/H. - Wenn in zweieinhalb Jahren die Bundesgartenschau (Buga) in Brandenburg und den anderen vier Städten des Havelbandes öffnet, werden mit einem Schlag zusätzliche Arbeitskräfte benötigt. Was Gärtnerarbeit betrifft, sieht Brandenburgs Arbeitsagenturleiter Michael Glaser wenig Probleme, den Bedarf aus dem Bestand der Arbeitslosen zu decken.
Anders im Hotel- und Gaststättengewerbe. „Die Betriebe müssen sich rechtzeitig auf die Buga einstellen und ausbilden“, forderte Glaser am Dienstag. Vor allem bei Servicekräften in der Gastronomie sieht er große Engpässe auf die Buga-Region zukommen. Wenn Gastro-Unternehmen kurz vor dem Buga-Start 2015 Arbeitskräfte von der Agentur abfordern, dürften sie ihr blaues Wunder erleben. „Wir werden nicht genügend Leute schicken können“, räumt Michael Glaser ein. Die Betriebe täten gut daran, ihren Nachwuchs bald zu sichern und auszubilden, um 2015 auf die eigene Leute zurückgreifen zu können.
So schick wie 2009 bei der Buga in Schwerin wird es für Hoteliers und Gastronomen nicht laufen. Damals waren 80 Prozent der Servicekräfte Ein-Euro-Jobber. „Solche Arbeitsgelegenheiten wird es 2015 nicht geben, die Beschäftigungssicherung muss über normale Arbeitsverträge geregelt werden“, kündigt Glaser an. Selbst wenn der Buga-Zweckverband gastronomische Leistungen für die fünf Buga-Städte ausschreibt und ein Caterer von außerhalb den Zuschlag erhält, wird er vermutlich etwa 80 Prozent der Servicekräfte in der Region suchen. Glaser: „Die Branche ist aufgerufen, an ihrem Image und an der Bezahlung zu arbeiten.“ Das Grundsätzliche Problem ist beim Hotel- und Gaststättenverband in Brandenburg (Dehoga) bekannt. Laut Landespräsident Mario Kade können Gastronomie-Servicekräfte etwa 1100 bis 1300 Euro netto im Monat verdienen. Zudem regele der im August abgeschlossene Tarifvertrag der Dehoga Brandenburg, verteilt über einen Zeitraum von drei Jahren, eine Gehaltsverbesserung von rund 20 Prozent.
Mario Kade sieht bis 2015 noch ausreichend Zeit, das Problem mit dem Arbeitsministerium anzugehen. „Wir können das stemmen“, versichert er und setzt dabei auf die Umschulung von Arbeitslosen und auch auf Kräfte aus dem Ausland, speziell aus Ländern wie Spanien, Portugal und Griechenland.
Für Henry Tygör stellt sich das Personalproblem allerdings etwas scharfkantiger dar. Der für die Stadt Brandenburg und das Havelland zuständige Dehoga-Geschäftsstellenleiter gesteht, dass es bisher keine Strategie der Branche für die Buga 2015 gibt. Er sagt: „250 Leute werden für den Zeitraum gesucht und die sind sicherlich nicht da.“ Tygör verfolgt das im August angelaufene Projekt in der Prignitz, wo 40 Fließbandarbeiter für die Gastronomie ungeschult werden.
Judith Nauendorf, Chefin des Sorat-Hotels am Altstadt-Markt, und Kollegen berichten von der schon aktuell bestehenden Schwierigkeit, aufgrund der Arbeitszeiten, Bezahlung und Familienvereinbarkeit junge Leute für den Beruf zu interessieren. Im Hinblick auf die Buga schlägt sie vor, junge Leute mit einer von der Arbeitsagentur finanzierten Einstiegsqualifizierung in die Ausbildung zu führen, die Lehre während der Buga fortzusetzen und mit Hilfe der IHK abzuschließen. Agenturchef Glaser findet das eine „sehr gute Idee“. (Von Jürgen Lauterbach)