FÜRSTENBERG - Beate Albrecht, Schauspielerin, Autorin, Regisseurin und Chefin des mobilen Theaters „Theaterspiel“ aus Witten in Nordrhein-Westfalen war begeistert. Die Fürstenberger Sechstklässler sprudelten förmlich über vor Ideen. Ihre Aufgabe war es gestern Vormittag, ein Drehbuch für eine Geschichte im Nationalsozialismus zu entwerfen und die einzelnen Szenen selbst einzuüben.
Am authentischen Ort – einer KZ-Gedenkstätte – lag es natürlich nahe, das Lagersystem als Element der Nazi-Herrschaft in die Geschichte einzubeziehen. Da Theater von Emotionen lebt, wollten die Kinder den Terror des Regimes anhand des Schicksals einer Roma-Familie zeigen. Gemeinsam wurde nach dem passendsten Titel gesucht. Auf „Zerstörung einer Familie“ konnten sich dann alle einigen. Die Schüler entwickelten von Szene zu Szene eine Geschichte, die mit der Verschleppung der Familie durch die Nazis in das Lager begann. Die Familie wurde getrennt. Die Mutter wehrte sich, als ihr die Kinder weggenommen wurden: „Ich geb’ meine Kinder nicht her!“ Aber es half nichts. Gedenkstättenlehrerin Elke Helm klärte auf: „Es hat Fälle gegeben, wo die Kinder bei den Müttern bleiben konnten. Aber oft wurden sie getrennt und dann kümmerten sich andere Häftlingsfrauen um die Kinder.“ Für die Schüler ist nur schwer vorstellbar, wie das Leben der Kinder in den Baracken ausgesehen hatte. Sie mussten sich vollkommen unauffällig verhalten. Für die SS waren sie „unnütze Fresser“. Die Schüler vergaßen bei ihren Überlegungen auch nie den Familienvater. Was könnte mit ihm geschehen sein? Hat er einen Fluchtversuch gewagt? Sucht er nach Frau und Kindern? Steven hatte die wohl realistischste Idee: „Der Mann ist in das KZ Sachsenhausen gekommen, die Frau blieb in Ravensbrück, und die Kinder wurden in eines der Lager in Polen deportiert.“
Während die eine Gruppe diese Geschichte, wie sie tausenden Familien tatsächlich geschehen ist, lebendig werden ließ, setzten sich andere Sechstklässler auf anderem Wege mit der Vergangenheit auseinander. Ravensbrück – was ist das für ein Ort? Im wahren Leben wissen Fürstenberger Schüler, dass ein Konzentrationslager ein Ort des Schreckens war. Aber als „Schauspieler“ sollten sie eher unbedarft sein – bis ihnen dann ihre Schulkameraden mit dem Theaterspiel das ganze Grauen der Naziherrschaft zeigten. Lob erhielten die Schüler nicht nur von Beate Albrecht und Elke Helm, sondern auch von Vertretern des Fürstenberger Fördervereins Ravensbrück „Gedenken – Erinnern – Mahnen“, der solche Projekte unterstützt und begleitet. (ad)