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29.12.2012

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Dickes Plus trotz Endlos-Krisen

Der Dax ist 2012 unerwartet stark geklettert / Nur wenige Deutsche profitieren von Aktiengewinnen

FRANKFURT AM MAIN - Trotz eines tiefen Sommerlochs war 2012 ein gutes Anlegerjahr. Der breite MSCI-World-Index – in ihm spiegelt sich die weltweite Aktienentwicklung wider – hat um 16 Prozent (2011: minus 8,6 Prozent) zugelegt. Das Konkurse verschleppende und sich durchwurstelnde Europa hat ein Plus von 17 Prozent – nach minus 14,9 Prozent im Vorjahr – erreicht, obwohl Zypern als jüngster Pleitekandidat dazugekommen ist.

Schade ist, dass nur wenige am Erfolg der deutschen Volkswirtschaftt – MSCI-Germany plus 28 Prozent (minus 20,6 Prozent 2011) – teilhaben. Das Aktienvermögen beträgt lediglich 5,5 Prozent des gesamten Geldvermögens. Nur 8,7 Millionen Deutsche besitzen Aktien. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat vor allem im letzten Quartal 2012 eine atemberaubende Jahresendrallye hingelegt.

Dass die Spanier (Ibex 35: minus 1,3 Prozent) verloren haben, überrascht nicht wirklich. Wohl schon eher, dass das gerupfte Athen (Athex Composite: plus 36 Prozent) wie Phoenix aus der Asche stieg. Die starken Ausschläge auf den Kapitalmärkten der Krisenstaaten widerspiegeln die hohen und kaum vorhersehbaren Risiken. Verwirrend und verschärfend kommt hinzu, dass sie zunehmend vom politischen Einfluss abhängen. Nur Anleger mit wirklich hoher Risikobereitschaft sollten in Krisenmärkte investieren, obwohl dort logischerweise auch die höchsten Chancen liegen.

Die USA hatten sich schon 2011 (minus 2,9 Prozent) zäh gehalten und 2012 nun satte 24 Prozent draufgelegt. Während die Europäer die Energiekosten mit Steuern und Wendekosten auf Rekordhöhen treiben, erfreuen sich die US-Amerikaner verbraucherfreundlicher Steuern und senken die Kosten mit den erst seit kurzem ausbeutbaren Schiefergasvorkommen. Anscheinend kriegen sie klammheimlich die Kurve an der Konjunktur- und Fiskalklippe. Weniger die Wirtschaft als vielmehr die Politik scheint auch in den USA das größte Risiko darzustellen. Politische Pokerspiele, wie wir sie auch hierzulande zwischen Bundesregierung und -rat zur Genüge erleben, können das Land noch im Januar in die Zahlungsunfähigkeit führen. Das könnte weltweit eine schwere Rezession auslösen, was die noch fragile Konjunktur eiszeitgleich abwürgte. Eigentlich können Politiker nicht so ignorant und unfähig sein, sollte man meinen. Aber wer würde dafür wirklich seine Hand ins Feuer legen?

Die Schwellenländer waren 2012 keine Stars, haben mit plus 17 Prozent (minus 20,5 Prozent 2011) aber anständig abgeschnitten. Die südostasiatischen Volkswirtschaften inklusive China laufen weitestgehend rund. Nur Indien schwächelt. Kaufe, wenn die Kanonen donnern, scheint auf Ägypten zugetroffen zu haben: Die Kairoer Börse hat verblüffende 48 Prozent (minus 44,7 Prozent 2011) gewonnen. Syrien zerfällt; wer die Guten und die Bösen sind, ist schwer auszumachen. Ägypten radikalisiert sich mit einer fragwürdig installierten Verfassung auf Scharia-Basis und fraternisiert mit der Hamas in Gaza. Israels Feinde werden unberechenbarer und dank einer provokativen Siedlungspolitik schwindet die Unterstützung des Westens. Das alles belastet die Börse in Tel Aviv mit minus sieben Prozent.

Wer 2012 auf Aktien gesetzt hat, lag goldrichtig. Gerade wegen der weit verbreiteten Konjunktursorgen könnte es 2013 moderat aufwärtsgehen, falls die Amerikaner nicht doch an ihrer Fiskalklippe scheitern.

Euphorie ist fast nur auf einigen Immobilienmärkten spürbar. Ansonsten scheinen Skepsis und Misstrauen zu überwiegen. Fast immer kommt es anders, als die meisten erwarten. Als wirklich überteuert gelten Aktien nicht. Solange der Realzins in fast allen wichtigen Währungen negativ bleibt, sind Aktien geradezu alternativlos. Und wovor sollte man sich überhaupt fürchten, nachdem wir gerade erst den Weltuntergang überstanden haben? (Von Gerd W. Goll)


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