POTSDAM - Noch sei alles offen, er habe lediglich den Gesamtstand der Diskussion dargelegt, beteuert der Vorsitzende der Enquetekommission des Landtags, Stefan Ludwig (Linke). Doch sein Bericht mit Vorschlägen zur Kommunalisierung von Landesämtern, der heute in der Kommission erstmals beraten wird, sorgt schon für Wirbel.
Zum Beispiel bei den Landesarchäologen. Der Betrieb des Archäologischen Landesmuseums sei „keine Aufgabe, die in der unmittelbaren Landesverwaltung wahrgenommen werden sollte“, heißt es in dem Bericht. Dem widerspricht Franz Schopper, Chef des Landesdenkmalamtes. Eine Kommunalisierung sei kontraproduktiv. In der Kombination von archäologischer Denkmalpflege und Landesmuseum sowie von Archäologie und Baudenkmalpflege würden gerade die Stärken liegen, sagte Schopper.
Voraussetzung für eine solche Kommunalisierung ist laut Bericht die Verringerung der Zahl der Landkreise von jetzt 14 auf 8. Und nur Potsdam soll als kreisfreie Stadt übrig bleiben. Nach dem Bericht wird auch die Landesfachstelle für Archive und öffentliche Bibliotheken als entbehrlich angesehen. Empfohlen wird eine Kommunalisierung der im Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) wahrgenommenen Aufgaben.
Das Papier von Kommissionschef Ludwig ist umstritten. Aus der SPD hieß es, eine Reihe von Vorschlägen werde nicht geteilt. Grünen-Abgeordnete Ursula Nonnemacher sagte: ,,Vieles von dem, was Ludwig vorgelegt hat, stößt bei uns auf Kritik.“ Stefan Ludwig wiederum sagt, die Aufregung sei unbegründet. Es handele sich um ein „Arbeitsmaterial“, betonte er. „In dem Papier stehen sogar Dinge drin, die sich widersprechen.“ Er gehe davon aus, dass die Kommission einen gemeinsamen Vorschlag unterbreitet. Dieser soll Eingang in einen Abschlussbericht finden, der im Oktober vorgelegt werden soll.
Die Grünen haben Vorbehalte gegen die Kommunalisierung von Umwelt- und Naturschutzaufgaben. ,,Hier droht konzentriertes Fachwissen zersplittert zu werden und verloren zu gehen“, sagte die Abgeordnete Nonnemacher. Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) erklärte indes, die Kommission sei erst mitten in der Prüfung. Entscheidungen fielen erst in der kommenden Wahlperiode. (igo/aw)